Werden zu sich selbst: Das Altern und die Zeitlichkeit des guten Lebens

Autor:innen

  • Thomas Rentsch Dresden

Schlagworte:

Zeitlichkeit, Sinn, Altern, gutes Leben, Radikalisierung der menschlichen Grundsituation

Key words:

Temporality, Meaning, Aging, Good Life, Radicalisation of Humans basic situation

Abstract

Die Frage nach den Bedingungen eines guten Lebens erlebt aktuell in der Ethik eine Renaissance. Allerdings gilt es, diese Frage ausdrücklich auf das ganze Leben des Menschen und insbesondere auf die spätere Lebenszeit zu beziehen. Im Altern vollzieht sich eine Radikalisierung der menschlichen Grundsituation, die ein Werden zu sich selbst ermöglicht. Deshalb vermag gerade das Altern einen Zugang zu der elementaren Zeitlichkeit des Menschen und dem grundlegenden Zusammenhang von Endlichkeit und Sinn zu eröffnen. Der vorliegende Beitrag geht von einer Auseinandersetzung mit Heideggers Todesanalysen aus. Dabei wird Heideggers thanatologische Engführung der Sinnkonstitution kritisiert und eine systematische Transformation der Bestimmung der Endlichkeit in interpersonaler und praktischer Hinsicht vorgenommen. Die so aufgewiesene Beziehung von Endlichkeit und Sinn wird schließlich im Blick auf eine philosophische Ethik des späteren Lebens und des Alterns konkretisiert. Das Altern zeigt sich dabei als zugleich gefährdeter und chancenreicher Weg der Identitätsbewahrung und der Identitätsbewährung.

English version

Currently the question what a good life means has a renaissance within Ethics.
However, it is important to explicitly apply this question to the whole human life, and especially also to the later period of life. In aging, a radicalisation of the human basic situation happens, which allows for finding oneself. This is why especially aging may offer an approach to the elementary temporality of humans and the fundamental connection of finitude and meaning of life. This essay starts from an analysis of Heidegger’s analyses of death. Heidegger’s thanatologist reductionism of the constitution of sense is criticised and a systematic transformation of the definition of finitude in interpersonal and practical regard is made. Finally, the thereby shown relation of finitude and meaning of life is specified with regard to a philosophical Ethics of the later period of life and aging. In doing so, aging appears to be a simultaneously dangerous and promising way of identity preservation as well as identity probation.

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Zitationsvorschlag

Rentsch, T. (2014). Werden zu sich selbst: Das Altern und die Zeitlichkeit des guten Lebens. Zeitschrift für Praktische Philosophie, 1(1), 263–288. https://doi.org/10.22613/zfpp/1.1.7

Ausgabe

Rubrik

Schwerpunkt: Altern als Paradigma - Neue Zugänge zur Zeitlichkeit des Menschen in der Ethik