KAROLINE REINHARDT UND GOTTFRIED SCHWEIGER
Zusammenfassung: Zehn Jahre nach der sogenannten „Flüchtlingskrise“ rekonstruiert diese Einleitung Migration als anhaltende und vielschichtige philosophische Herausforderung. Sie versucht einen systematischen Überblick über zentrale migrationsethische Debatten und theoretische Zugänge, die von liberalen und kosmopolitischen Positionen über kommunitaristische, kritisch-theoretische, feministische und postkoloniale Ansätze bis hin zu phänomenologischen Perspektiven reichen. Dabei werden nicht nur normative Grundfragen von Zugehörigkeit, Verantwortung und Gerechtigkeit diskutiert, sondern auch blinde Flecken und überraschende Konvergenzen herausgearbeitet. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Heterogenität von Migrationserfahrungen, intersektionalen Vulnerabilitäten, epistemischer Gerechtigkeit sowie neuen Herausforderungen durch Digitalisierung, technologische Grenzregime und den Klimawandel.
Schlagwörter: Migration, Flucht, Ethik, Integration, politische Philosophie
Abstract: Ten years after the so-called “refugee crisis,” this introduction frames migration as a persistent and multifaceted philosophical challenge. It aims to offer a systematic overview of key debates and theoretical approaches in migration ethics, ranging from liberal and cosmopolitan theories to communitarian, critical-theoretical, feminist, postcolonial, and phenomenological perspectives. Rather than presenting these approaches in isolation, the article highlights their respective strengths, blind spots, and points of convergence. Particular attention is given to the heterogeneity of migration experiences, intersecting forms of vulnerability, questions of epistemic justice, and emerging challenges posed by digital border technologies, new regimes of migration control, and the ethical implications of climate-induced migration.
Keywords: Migration, Refuge, Ethics, Integration, political philosophy
Die Ankunft hunderttausender Geflüchteter in Europa 2015, die in medialen und politischen Diskursen häufig als "Flüchtlingskrise" bezeichnet wurde – ein Begriff, der bereits eine problematische Rahmung impliziert, insofern er die Krise primär bei den Flüchtenden verortet statt bei den strukturellen Bedingungen, die zu Flucht führen, oder bei den Aufnahmegesellschaften, die mit der Situation überfordert schienen (Bauböck 2018a) –, hat nicht nur die politische Landschaft Europas nachhaltig verändert, sondern auch zu einer verstärkten philosophischen Auseinandersetzung mit Fragen von Migration, Flucht und Zugehörigkeit geführt (Niederberger/Okeja/Gördemann 2025; Dietrich 2017; Grundmann/Stephan 2016). Die philosophische Literatur hat sich in den vergangenen Jahren deutlich ausdifferenziert und widmet sich neben den klassischen Grundsatzdebatten um globale Bewegungsfreiheit (Carens 1987; Cassee 2016) und nationale Selbstbestimmung zunehmend auch spezifischeren Fragestellungen, etwa welche besonderen Schutzansprüche vulnerable Gruppen wie Kinder und Jugendliche (Reinhardt/Schweiger 2025) oder LGBTQIA+-Personen haben (Vitikainen 2020, 2023), wie sich Verantwortlichkeiten für die Aufnahme von Geflüchteten zwischen Staaten fair verteilen lassen (Bauböck 2018b; Holtug 2016), welche Integrationspflichten Migrant:innen gerechtfertigterweise haben (Kehoe/Alisic/Heilinger 2019) und welche Pflichten umgekehrt Aufnahmegesellschaften ihnen gegenüber, wie sich solche normativen Fragen unter den Bedingungen des Klimawandels verändern (Draper/McKinnon 2018), der neue Formen erzwungener Migration hervorbringt.
Weiters ist zu konstatieren, dass die philosophische Reflexion auf Migration in mancher Hinsicht (noch immer) blinde Flecken aufweist, die es in den kommenden Jahren zu bearbeiten gilt, auch weil sich die Kontexte und Rahmenbedingungen ebenso wie die technologischen Möglichkeiten beispielsweise zur Kontrolle von Grenzen kontinuierlich verändern und verschieben und damit neue Fragen aufwerfen, die einer vertieften Analyse bedürfen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit Februar 2022 zum Beispiel hat eine neue Fluchtbewegung in Europa ausgelöst, die in Teilen der Öffentlichkeit auf eine andere Resonanz stößt als frühere Fluchtbewegungen aus Syrien, Afghanistan oder afrikanischen Ländern (Mickelsson 2025). Diese unterschiedliche Aufnahmebereitschaft gegenüber ukrainischen Geflüchteten im Vergleich zu Menschen aus dem Globalen Süden legt tief verwurzelte Hierarchisierungen und implizite Rassismen offen, die ebenso einer eingehenden philosophischen Analyse bedürfen wie die Verhandlung der Universalität moralischer Ansprüche und der Rolle von kultureller, geografischer oder ökonomischer Nähe und Verbundenheit für die Gewährung von Schutz und Unterstützung. Auch technologische Neuerungen rücken zunehmend ins Zentrum migrationspolitischer wie auch migrationsethischer Auseinandersetzungen, da sie nicht nur bestehende Praktiken der Grenzsicherung intensivieren, sondern diese auch räumlich und normativ neu konfigurieren: Digitale Überwachungssysteme, biometrische Identifikationsverfahren, KI-gestützte Risikoanalysen sowie die Kooperation mit Drittstaaten im Bereich des Datenaustausches und der Grenzverwaltung tragen zu einer fortschreitenden Exterritorialisierung von Grenzkontrollen bei, durch die staatliche Migrationssteuerung immer weiter vor die eigentlichen territorialen Grenzen verlagert wird. Grenzkontrolle manifestiert sich damit weniger als klar lokalisierbares Ereignis an der Grenze selbst, sondern als ein diffuses, vielfach ausgelagertes Regime, das bereits in Herkunfts- und Transitländern wirksam wird und damit auch rechtliche Verantwortlichkeiten fragmentiert. Diese Entwicklung wirft grundlegende philosophische Fragen nach der Konzeptionalisierung von staatlicher Machtausübung und deren Legitimität, nach Verantwortungszuschreibung, und der Reichweite moralischer Verpflichtungen unter Bedingungen technischer Vermittlung und räumlicher Entgrenzung auf, die bislang nur unzureichend systematisch reflektiert worden sind.
Die philosophische Auseinandersetzung mit Migration bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen universalistischen und partikularistischen Positionen, das sich durch nahezu alle Teildebatten zieht, wobei diese binäre Gegenüberstellung der Komplexität und Vielfalt der theoretischen Zugänge kaum gerecht wird. Vielmehr lässt sich ein breites Spektrum unterschiedlicher philosophischer Ansätze identifizieren, die jeweils spezifische Aspekte von Migration beleuchten und dabei auf unterschiedliche theoretische Traditionen und methodologische Prämissen zurückgreifen, wobei diese Pluralität der Zugänge – die von analytisch-philosophischen Argumentationen über kritisch-theoretische Analysen bis hin zu phänomenologischen Beschreibungen und postkolonialen Dekonstruktionen reicht – sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance darstellt (Reinhardt/Schweiger 2026). Eine Herausforderung insofern, als die verschiedenen Ansätze oft mit scheinbar inkommensurablen Grundannahmen operieren und daher nur schwer miteinander ins Gespräch zu bringen sind, eine Chance wiederum, weil die Vielfalt der Perspektiven der Komplexität des Phänomens Migration angemessener erscheint als ein monolithischer Ansatz. Eine wesentliche Aufgabe besteht also darin, diese verschiedenen Traditionen nicht einfach nebeneinander stehen zu lassen, sondern produktive Brücken zu bauen und wechselseitige Lernprozesse zu ermöglichen, ohne die Differenzen einzuebnen und vorschnell zu harmonisieren.
Innerhalb der liberalen politischen Philosophie, die zumindest im anglophonen Raum nach wie vor dominant ist (Fine/Ypi 2016), lassen sich verschiedene Strömungen unterscheiden, wobei die egalitaristisch-kosmopolitische Position, prominent vertreten durch Joseph Carens (Carens 2013, 1987), von der fundamentalen moralischen Gleichheit aller Menschen her argumentiert und daraus weitreichende Pflichten zur Aufnahme von Migrant:innen ableitet. Diese Position stützt sich dabei häufig auf eine Analogie zwischen inner- und zwischenstaatlicher Bewegungsfreiheit und versteht Grenzen als moralisch arbiträre Hindernisse, die der gleichen Berücksichtigung aller Interessen im Wege stehen. Demgegenüber betonen kommunitaritische und liberal-nationalistische Ansätze, wie sie etwa Michael Walzer (Walzer 1983) und David Miller vertreten (Miller 2016), die moralische Signifikanz politischer Gemeinschaft. Aus diesen Perspektiven haben Staaten zwar Pflichten gegenüber Bedürftigen, aber auch legitime Ansprüche auf Selbstbestimmung, aus der sich auch die Möglichkeit der Kontrolle über Mitgliedschaftsrechte ergibt.
Dabei ist festzustellen, dass die genannten Ansätze trotz ihrer unterschiedlichen normativen Ausgangspunkte in der Idealtheorie oft zu umgekehrten Schlüssen für die nicht-ideale Theoriebildung gelangen: Unter den Bedingungen unserer nicht-idealen Welt akzeptieren auch viele liberale, insbesondere kosmopolitische Positionen faktisch erhebliche Begrenzungen von Bewegungsfreiheit, etwa durch Verweis auf institutionelle Machbarkeit, politische Stabilität oder die Belastbarkeit sozialstaatlicher Arrangements, während kommunitaristische ihrerseits oftmals für einen weitreichenden Schutz von Geflüchteten argumentieren, insbesondere wenn elementare Menschenrechte oder existentielle Gefährdungen auf dem Spiel stehen. Diese partiellen Konvergenzen verdeutlichen, dass die zentrale Kontroverse weniger entlang einer einfachen Dichotomie von offenen versus geschlossenen Grenzen verläuft (Reinhardt 2019). FormularbeginnFormularendeEs erscheint, dass die interessanteren philosophischen Fragen daher oft nicht in den extremen Positionen liegen, sondern in der Bestimmung der Balance zwischen universellen und partikularen Ansprüchen sowie in der Konkretisierung dessen, was diese abstrakte Balance in spezifischen Kontexten bedeutet.
Jenseits des liberalen Mainstreams haben sich in den letzten Jahren verstärkt alternative theoretische Zugänge etabliert, die fundamental andere Perspektiven auf Migration eröffnen, wobei kritisch-theoretische Ansätze (Schweiger 2021) Migration im Kontext globaler Machtstrukturen und kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse analysieren und aus dieser Perspektive Migrationsbewegungen nicht primär als individuelle Entscheidungen erscheinen, sondern als Resultat struktureller Zwänge und historischer Ungerechtigkeiten, während die Kontrolle von Migration dabei als Instrument zur Aufrechterhaltung globaler Ungleichheit und zur Disziplinierung mobiler Arbeitskräfte verstanden wird. Diese Ansätze lenken den Blick auf die politische Ökonomie der Migration und die Rolle, die Grenzregime bei der Produktion von Prekarität und Ausbeutbarkeit spielen, wobei sie auch die vermeintliche Neutralität liberaler Theorien hinterfragen, die strukturelle Machtverhältnisse oft ausblenden oder naturalisieren. Dadurch wird deutlich, dass Migrationspolitik nicht losgelöst von kapitalistischen Verwertungslogiken verstanden werden kann, sondern dass die selektive Öffnung und Schließung von Grenzen auch gezielt eingesetzt wird, um ein Reservoir billiger und rechtlich prekär gestellter Arbeitskräfte zu schaffen.
Postkoloniale und dekoloniale Theorien der Migration gehen noch einen Schritt weiter, indem sie die kolonialen Kontinuitäten gegenwärtiger Migrationspolitiken herausarbeiten (Nair 2013), wobei diese Ansätze aufzeigen, wie die heutigen Grenzregime auf kolonialen Logiken der Rassifizierung und Hierarchisierung aufbauen und wie die Unterscheidung zwischen sogenannten erwünschten und unerwünschten Migrant:innen koloniale Kategorisierungen reproduziert, während sie auch den Eurozentrismus der dominanten Migrationsethik kritisieren (Jaggar 2020), die westliche Konzepte von Staat, Territorium und Zugehörigkeit unhinterfragt voraussetzt und alternative Formen politischer Organisation ausblendet. Die gegenwärtige Weltordnung mit ihren strikten Grenzen ist nicht gegeben, sondern Produkt kolonialer Gewalt und fortgesetzter imperialer Dominanz, wobei die Forderung nach Dekolonisierung sich dabei nicht nur auf die Migrationspolitik selbst bezieht, sondern auch auf die Art und Weise, wie über Migration nachgedacht und gesprochen wird. Damit eng verbunden ist die Einsicht, dass viele der als selbstverständlich geltenden Kategorien der Migrationsforschung – wie die Unterscheidung zwischen freiwilliger und erzwungener Migration, zwischen ökonomisch motivierten Migrant:innen und Geflüchteten, zwischen legaler und illegaler Einwanderung – koloniale Genealogien haben und dazu dienen, hierarchische Unterscheidungen zu naturalisieren und zu legitimieren, sodass eine dekoloniale Perspektive diese Kategorien nicht einfach übernimmt, sondern ihre Entstehungsgeschichte und ihre machtstabilisierende Funktion kritisch reflektiert.
Feministische Ansätze zur Migrationsethik haben wichtige geschlechtsspezifische Dimensionen sichtbar gemacht, die in geschlechtsneutralen Theorien oft übersehen werden. Sie zeigen, wie Migrationsprozesse geschlechtsspezifisch strukturiert sind (Ingram 2021; Higgins/Reed-Sandoval 2025) – von den unterschiedlichen Fluchtgründen über die spezifischen Vulnerabilitäten während der Migration bis hin zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Migrationspolitiken –, sodass besondere Aufmerksamkeit dabei der Care-Migration gilt (Gheaus 2013), bei der überwiegend Frauen aus dem Globalen Süden Sorgearbeit in wohlhabenden Ländern übernehmen und dabei oft ihre eigenen Familien zurücklassen müssen, während diese sogenannten globalen Betreuungsketten (Yeates 2004) Fragen nach transnationaler Gerechtigkeit und der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit aufwerfen. Feministische Theorien problematisieren auch die androzentrischen Annahmen vieler Migrationstheorien, die den männlichen Migranten als Norm setzen – wobei auch hier nicht alle Männlichkeiten gleichermaßen berücksichtigt werden, was aus Perspektive der kritischen Männlichkeitsforschung problematisiert wird (Wojnicka/Pustułka 2019) – und die spezifischen Erfahrungen aus Perspektive von Frauen, nicht-binären Personen und queeren Migrant:innen unsichtbar machen. Damit einhergehend ist die Einsicht, dass geschlechtsspezifische Verfolgung – etwa aufgrund der Verweigerung gegen patriarchale Gesetze oder Normen, Zwangsverheiratung oder geschlechtsspezifischer Gewalt – in Asylsystemen oft nicht angemessen anerkannt wird, weil die dominanten Verfolgungskategorien männliche Erfahrungen von politischer Verfolgung zum Maßstab nehmen, sodass eine feministische Perspektive nicht nur die Einbeziehung zusätzlicher Verfolgungsgründe fordert, sondern eine grundsätzliche Neujustierung dessen verlangt, was überhaupt als politische Verfolgung gilt und welche Formen von Gewalt und Unterdrückung Schutzansprüche begründen.
Eine weitere wichtige Strömung bilden phänomenologische und existenzialistische Ansätze, die sich auf die gelebte Erfahrung von Migration konzentrieren, wobei diese Ansätze versuchen, die existenzielle Dimension des Migrationserlebnisses – die Erfahrung von Entwurzelung, Fremdheit und Neuorientierung – philosophisch zu durchdringen. Diese können auf die reiche phänomenologische Tradition zurückgreifen, von Heideggers Analysen des In-der-Welt-Seins über Levinas' Ethik der Alterität bis hin zu Beauvoirs Existenzialismus, und diese Ansätze wichtige Korrektive zu rein normativen Theorien bieten, indem sie die leibliche und affektive Dimension von Migration ernst nehmen und die Komplexität der Migrationserfahrung jenseits abstrakter Rechte und Pflichten sichtbar machen. Phänomenologische Ansätze können zeigen, wie Migration die Grundstrukturen der menschlichen Existenz – Räumlichkeit, Zeitlichkeit, Leiblichkeit, Intersubjektivität – in spezifischer Weise affiziert und transformiert.
Die Auseinandersetzung mit der philosophischen Tradition zeigt, dass Migration keineswegs ein neues Thema der Philosophie ist, sondern bereits in klassischen Texten auf vielfältige Weise thematisiert wird. Allerdings erfordert die Aktualisierung dieser Traditionen für gegenwärtige Debatten oft eine kritische Relektüre, die sowohl die historischen Kontexte ernst nimmt als auch die Grenzen und blinden Flecken klassischer Ansätze reflektiert. Philosophiegeschichte erweist sich dabei als reichhaltiges Reservoir von Konzepten und Argumenten, aber auch als Archiv problematischer Vorannahmen und Ausschlüsse, die es kritisch zu befragen gilt, während jenseits der oft zitierten Klassiker zunehmend auch vergessene oder marginalisierte Traditionen für die Migrationsethik fruchtbar gemacht werden. Die jüdische Philosophie beispielsweise bietet mit ihren Reflexionen über Exil, Diaspora und Gastfreundschaft wichtige Ressourcen. Die islamische Philosophie wiederum kennt eigene Traditionen der Reflexion über Gastfreundschaft und Schutzgewährung, die alternative Perspektiven auf Fragen von Aufnahme und Zugehörigkeit eröffnen. Diese Traditionen werden jedoch in der westlich dominierten Migrationsethik kaum rezipiert, was auf ein grundsätzliches Problem epistemischer Gerechtigkeit verweist.
Eine zentrale Herausforderung für die Philosophie der Migration besteht darin, der enormen Heterogenität von Migrationserfahrungen und -kontexten gerecht zu werden, denn der Begriff Migrant:in umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Situationen und Erfahrungen – von hochqualifizierten Expats in globalen Metropolen über Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft bis hin zu Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Diese Unterschiede sind nicht nur deskriptiv relevant, sondern haben auch normative Implikationen, weil die moralischen Ansprüche und Pflichten je nach Kontext variieren können, wobei gleichzeitig die Gefahr besteht, durch zu starke Differenzierung die gemeinsamen Strukturen von Ausschluss und Diskriminierung aus dem Blick zu verlieren, die verschiedene Gruppen von Migrant:innen betreffen. Damit eng verbunden ist die Notwendigkeit, die Intersektionalität verschiedener Achsen von Benachteiligung und Privilegierung zu berücksichtigen (Tuider 2017), denn Migration überschneidet sich mit anderen sozialen Kategorien wie Klasse, Geschlecht, race, sexueller Orientierung, Alter, Behinderung, Religion. Die Erfahrungen von Migrant:innen sind nie nur durch ihren Migrationsstatus geprägt, sondern immer auch durch diese anderen Positionierungen, die spezifische Kombinationen von Vulnerabilitäten und Ressourcen, von Ausschlüssen und Zugängen hervorbringen.
Bestimmte Gruppen von Migrant:innen sind dabei in der philosophischen Literatur nach wie vor unterrepräsentiert, obwohl ihre spezifischen Erfahrungen wichtige normative Fragen aufwerfen. Dazu zählen Migrant:innen mit Behinderungen (Burns 2017; Soldatic 2013), die sich beispielsweise mit mehrfachen Barrieren konfrontiert sehen, denn viele Länder haben explizit diskriminierende Einwanderungsgesetze, die Menschen mit Behinderungen ausschließen, oft mit dem Argument, sie würden eine übermäßige Belastung für das Gesundheits- und Sozialsystem darstellen. Solche Politiken werfen grundlegende Fragen nach Gerechtigkeit und Menschenwürde auf, wobei die philosophische Auseinandersetzung mit diesen Fragen noch am Anfang steht und eine Verbindung von Migrationsethik und disability studies erfordert. Damit verbunden stellt sich die Herausforderung, ableistische Annahmen in der Migrationsethik zu identifizieren und zu kritisieren. Ältere Migrant:innen bilden eine weitere oft übersehene Gruppe (Bastia/Lulle/King 2022), denn die dominante Vorstellung des Migranten als junge, arbeitsfähige Person blendet aus, dass auch ältere Menschen migrieren – sei es zur Familienzusammenführung, als Spätaussiedler:innen oder zunehmend auch als sogenannte Rentenmigrant:innen (de Vries 2021, 2025).
Auch die Situation von LGBTQIA+-Migrant:innen wirft spezifische normative Fragen auf (Vitikainen 2020, 2023), die in der Migrationsethik oft vernachlässigt werden, denn Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt werden, sehen sich oft mit besonderen Herausforderungen im Asylverfahren konfrontiert, da sie ihre Verfolgungsgründe beweisen müssen – was zu entwürdigenden Befragungen und Glaubwürdigkeitsprüfungen führen kann –, während sie gleichzeitig auch in Aufnahmeländern mit Diskriminierung konfrontiert sein können, sowohl in der Mehrheitsgesellschaft als auch in Migrant:innen-Communities. Die Verbindung von Heteronormativität, Rassismus und Nationalismus erzeugt spezifische Ausschlüsse und Marginalisierungen, die einer intersektionalen Analyse bedürfen.
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, insbesondere unbegleitete Minderjährige, stellen eine weitere Gruppe dar, deren spezifische Situation ethische Überlegungen erfordert (Reinhardt/Schweiger 2025). Das betrifft den moralischen Status von Kindern und Jugendlichen, ihre Rechte und die Verantwortung von Staaten, Institutionen, Eltern und anderen Akteur:innen, insbesondere auch wie sich das Kindeswohl in Kontexten der Migration bestimmen lässt oder wie Praktiken wie die Inhaftierung von Kindern und Jugendlichen in Abschiebehaft ethisch zu bewerten sind. Diese Fragen erfordern eine Verbindung von Migrationsethik und Philosophie der Kindheit, die bislang nur ansatzweise geleistet wurde (Schweiger 2025).
Die philosophische Auseinandersetzung mit Migration steht vor erheblichen methodologischen Herausforderungen, die sowohl die Spezifik des Gegenstandes als auch die Grenzen rein philosophischer Zugänge betreffen. Denn Migration ist ein komplexes soziales Phänomen, das sich nicht auf abstrakte normative Fragen reduzieren lässt, sondern in vielfältige soziale, ökonomische, politische und kulturelle Kontexte eingebettet ist, und diese Komplexität eine Öffnung der Philosophie für empirische Forschung und interdisziplinäre Perspektiven erfordert, ohne dass dabei die spezifisch philosophische Reflexionskompetenz aufgegeben wird. Die Herausforderung besteht darin, empirische Sensibilität mit normativer Reflexion zu verbinden und dabei sowohl der Kontextgebundenheit als auch dem Universalitätsanspruch philosophischer Argumente gerecht zu werden. Die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit zeigt sich besonders deutlich bei der Frage nach den tatsächlichen Auswirkungen von Migrationspolitiken, denn philosophische Argumente für oder gegen bestimmte Politiken basieren oft auf Annahmen über deren Folgen, die empirisch überprüft werden müssen – beispielsweise das Argument, offene Grenzen würden zu einem race to the bottom bei Sozialstandards führen, welches bestimmte ökonomische Annahmen voraussetzt, die durchaus umstritten sind, während umgekehrt auch Argumente für die positiven Effekte von Migration empirisch fundiert werden müssen.
Ein besonders wichtiges methodologisches Problem betrifft die Frage der epistemischen Gerechtigkeit (Sertler 2018; Fricker 2007) und die Rolle der Stimmen von Migrant:innen in philosophischen Debatten. Denn die akademische Philosophie wird nach wie vor überwiegend von Menschen betrieben, die selbst keine Fluchterfahrung haben und aus privilegierten Positionen heraus über Migration nachdenken, was Fragen nach der epistemischen Autorität aufwirft, insbesondere wer legitimerweise über Migration sprechen kann und wie die Erfahrungen und Perspektiven von Migrant:innen in philosophische Theoriebildung einbezogen werden können, ohne sie zu instrumentalisieren oder zu essentialisieren. Diese Fragen sind umso drängender, als Migration oft mit Erfahrungen von Machtlosigkeit, Sprachbarrieren und prekären Lebensbedingungen einhergeht, die die Teilhabe an akademischen Diskursen erschweren und somit die Gefahr besteht, dass philosophische Debatten über die Köpfe der Betroffenen hinweg geführt werden und dabei wichtige Dimensionen der Migrationserfahrung übersehen werden. Verschiedene methodologische Ansätze versuchen, diesem Problem zu begegnen. Narrative Ansätze arbeiten mit den Geschichten und Selbstzeugnissen von Migrantinnen und versuchen, aus diesen philosophische Einsichten zu gewinnen und partizipative Forschungsmethoden beziehen Migrantinnen als Ko-Forscherinnen ein. Wobei all diese Ansätze jedoch auch neue Probleme und philosophisch relevante Fragen aufwerfen (Suter 2025; Weiß 2025), zum Beispiel wie sich Partikularität und Universalität vermitteln lassen, wie individuelle Erfahrungen philosophisch fruchtbar gemacht werden können, ohne sie naiv zu verallgemeinern, und wie sich die Heterogenität von Migrationserfahrungen ernst nehmen lässt, ohne in Relativismus zu verfallen.
Schließlich sollte thematisiert werden, dass philosophische Theorien nicht neutral sind, sondern zur Legitimation von Ausschluss und Gewalt beitragen oder emanzipatorische Potenziale freisetzen können, was Fragen nach der Verantwortung von Philosoph:innen aufwirft, insbesondere inwieweit sie die möglichen politischen Konsequenzen ihrer Theorien mitbedenken müssen und wie sie zu einer gerechteren Migrationspolitik beitragen können, ohne dabei die Autonomie philosophischer Reflexion aufzugeben; Fragen, die besonders drängend sind in Zeiten, in denen das Thema Migration hochpolitisiert ist und philosophische Argumente oft selektiv für politische Zwecke instrumentalisiert werden, sodass Philosophie der Migration sich nicht nur mit ihrem Gegenstand, sondern auch mit ihrer eigenen Situiertheit, ihren blinden Flecken und ihrer möglichen Verstrickung auseinandersetzen muss, gerade weil sie nolens volens nicht allein im Elfenbeinturm stattfindet.
Die in diesem Schwerpunkt versammelten Beiträge greifen verschiedene der skizzierten Debatten auf und entwickeln sie in produktiver Weise weiter, wobei sie nicht nur die Vielfalt philosophischer Zugänge zum Thema Migration aufzeigen, sondern auch demonstrieren, wie fruchtbar die Verbindung verschiedener theoretischer Traditionen und methodologischer Ansätze sein kann. Das Spektrum der hier vertretenen Zugänge reicht von der Auseinandersetzung mit klassischen Texten über die Analyse gegenwärtiger politischer Entwicklungen bis hin zur phänomenologischen Beschreibung konkreter Lebenssituationen.
Der Beitrag von Frederek Musall eröffnet diesen Schwerpunkt. Der Text entfaltet Migration als epistemische Figur jüdischen Denkens – nicht bloß als geografische Bewegung, vielmehr als Bedingung von Erkenntnis selbst. Im Durchgang durch biblische Narrative (Abraham, Joseph, Exodus), rabbinische Hermeneutik und mittelalterliche Übersetzungskulturen zeigt Musall, wie Wissen im Übergang entsteht: zwischen Sprachen, Zeiten, Textschichten. Die Vielstimmigkeit rabbinischer Diskurse, in denen Autorität aus Dialog erwächst statt aus Eindeutigkeit, bildet dabei eine Methode, die sich bis in die Moderne fortsetzt (bei Levinas, Derrida, Arendt). Israel erscheint dabei als Spannungsfeld, in dem territoriale Souveränität und diasporische Offenheit kollidieren – eine Konstellation, die das jüdische Denken zwischen Selbstbehauptung und universaler Verantwortung verortet. Feministische, postkoloniale und queere Perspektiven (Plaskow, Shohat, Butler) verschieben dann zunehmend die klassischen Autoritätsformen und machen Verkörperung zum Ort ethischer Reflexion. Am Ende steht kein System, sondern eine diskursive Praxis: Denken formt sich im Fragment, Wahrheit bewährt sich unter Bedingungen pluraler Prüfung. Migration wird so zur Grammatik eines Wissens, das seine eigene Fragilität mitdenkt.
Claudia Welz widmet sich dann Auseinandersetzung mit Donatella Di Cesares "Philosophie der Migration", die exemplarisch zeigt, wie kontinentalphilosophische Traditionen für die Migrationsethik fruchtbar gemacht werden können. Welz würdigt Di Cesares Vision einer "Politik des Zusammenwohnens", die auf der biblischen Figur des ansässigen Fremden basiert und eine Alternative zu den gängigen Dichotomien von Bürger:innen und Migrant:innen entwirft. Diese Vision, die sowohl aus biblischen als auch aus philosophischen Quellen schöpft, stellt den Versuch dar, Zugehörigkeit neu zu denken. Besonders hervorzuheben ist Welz' eigener Vorschlag, das Zuhören als zentrale Geste der Gastfreundschaft zu verstehen – eine phänomenologische Einsicht, die praktische Konsequenzen für die Gestaltung interkultureller Begegnungen hat. Ihre kritische Diskussion von Di Cesares Heidegger-Rezeption und dem Konzept der existenziellen Heimatlosigkeit zeigt exemplarisch, wie die Auseinandersetzung mit kontinentalphilosophischen Traditionen produktiv und kritisch zugleich erfolgen kann. Welz' Beitrag demonstriert auch, wie theologische und religionsphilosophische Ressourcen für die Migrationsethik erschlossen werden können, ohne in unkritische Übernahme religiöser Konzepte zu verfallen.
Susanne Meyer-Teschendorf bietet eine sorgfältige Rekonstruktion und Aktualisierung von Kants Weltbürgerrecht, die dessen bleibende Relevanz für gegenwärtige Debatten aufzeigt. Ihre minutiöse Analyse macht deutlich, dass Kant zwar kein unbeschränktes Recht auf Einwanderung vertritt, aber dennoch klare Grenzen für die Zurückweisung von Schutzsuchenden setzt. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen zeitgenössischen Positionen – von Carens' Kosmopolitismus über Millers liberalen Nationalismus bis zu kommunitaristischen Ansätzen – im Licht des Weltbürgerrechts demonstriert, wie klassische Texte produktiv für aktuelle Debatten genutzt werden können. Meyer-Teschendorf zeigt, dass Kants Position eine Art Mittelweg zwischen radikalem Kosmopolitismus und partikularistischem Kommunitarismus darstellt, der auch heute noch bedenkenswerte Einsichten bietet.
Lisa Clara Burger widmet sich einem in der philosophischen Literatur durchaus vernachlässigten Thema: den Autonomieeinschränkungen in Notlagern für Geflüchtete. Ihre phänomenologisch informierte Analyse zeigt, wie die Strukturen von Lagern systematisch die Möglichkeiten der Bewohner:innen einschränken, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ein kohärentes Selbstbild zu entwickeln. Burgers Argumentation, dass gerade bei eingeschränkten "großen" Lebensentscheidungen die Autonomie im "Kleinen" – bei alltäglichen Entscheidungen über Ernährung, Kleidung oder Tagesgestaltung – besondere Bedeutung gewinnt, hat wichtige praktische Implikationen für die Gestaltung von Unterbringungen. Ihr Beitrag zeigt exemplarisch, wie philosophische Analyse zu konkreten Verbesserungsvorschlägen führen kann, ohne dabei die strukturellen Probleme von Lagern als solchen aus dem Blick zu verlieren. Die Verbindung von Autonomietheorie und empirischer Sensibilität für die Lebensbedingungen in Lagern macht ihren Ansatz besonders überzeugend.
Julian Koptisch und Josef Barla analysieren ein hochaktuelles Phänomen: die Einführung von Bezahlkarten für Asylsuchende in Deutschland. Ihre Interpretation dieser Maßnahme als "Maschine der Kontrolle" im Sinne von Deleuze und Guattari eröffnet eine kritische Perspektive auf gegenwärtige Formen des Migrationsmanagements, die über eine rein Policy-orientierte Analyse hinausgeht. Die Autoren argumentieren, wie die Bezahlkarte nicht nur als Instrument finanzieller Kontrolle fungiert, sondern tief in die Subjektivierungsprozesse der Betroffenen eingreift und zu Entfremdung und Identitätsverlust führen kann. Ihre Analyse demonstriert die Fruchtbarkeit poststrukturalistischer Ansätze für die Kritik gegenwärtiger Migrationspolitiken und macht auf subtile Formen der Kontrolle aufmerksam, die in öffentlichen Debatten oft übersehen werden. Der Beitrag zeigt auch, wie scheinbar neutrale technische Maßnahmen tiefgreifende ethische und politische Implikationen haben können.
Roland Kipke wendet sich im abschließenden Text einem politisch brisanten Thema zu: dem Zusammenhang zwischen Migration und dem Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen. Seine These, dass unkontrollierte Masseneinwanderung die liberale Demokratie gefährdet und daher kein Recht auf Einwanderung bestehen kann, stellt eine provokante Intervention in die Debatte dar, die zweifellos kontroverse Diskussionen auslösen wird. Kipke argumentiert aus einer dezidiert liberalen Position heraus, dass die Verteidigung der liberalen Demokratie als Bedingung der Möglichkeit von Menschenrechtsschutz Vorrang vor individuellen Einwanderungsansprüchen haben muss. Diese konsequentialistische Argumentation wirft wichtige Fragen nach dem Verhältnis von empirischen Annahmen und normativen Schlussfolgerungen auf. Inwieweit dürfen vermutete politische Folgen die Gewährung grundlegender Rechte einschränken? Kipkes Beitrag fordert zu einer Auseinandersetzung mit der Rolle von Folgenabschätzungen in der Migrationsethik heraus und zeigt, wie empirische und normative Überlegungen miteinander verwoben sind.
Die Beiträge dieses Schwerpunkts illustrieren eindrücklich die Bandbreite und Tiefe philosophischer Auseinandersetzungen mit Migration, wobei sie zeigen, dass die Philosophie wichtige Beiträge zu gesellschaftlichen Debatten leisten kann, ohne dabei ihre spezifische Reflexionskompetenz aufzugeben. Denn die Gefahr, dass Philosoph:innen bei der Kommentierung aktueller Entwicklungen aus der Hüfte schießen (Schramme 2015), lässt sich vermeiden, wenn die Analyse aktueller Phänomene mit grundsätzlichen begrifflichen und normativen Überlegungen verbunden wird. Die hier versammelten Texte demonstrieren, wie eine solche Verbindung gelingen kann, indem sie aktuelle Entwicklungen aufgreifen – von der Einführung der Bezahlkarte bis zum Erstarken des Rechtspopulismus –, diese aber in größere theoretische Zusammenhänge einbetten und ihre tieferen philosophischen Dimensionen erschließen, während gleichzeitig deutlich wird, dass die philosophische Beschäftigung mit Migration nicht bei abstrakten Prinzipiendiskussionen stehenbleiben darf, sondern die konkreten Lebensbedingungen von Migrant:innen, die realen Auswirkungen von Politiken und die Erfahrungen der Betroffenen in die philosophische Reflexion einbeziehen muss. Damit wird auch die Notwendigkeit einer Offenheit für interdisziplinäre Perspektiven und empirischer Forschung aufgezeigt, ohne dass die Philosophie dabei ihre spezifische normative und begriffliche Kompetenz aufgibt, was voraussetzt, dass Philosoph:innen sich nicht nur auf ihre theoretische Expertise verlassen, sondern auch bereit sind, sich mit den empirischen Details migratorischer Realitäten auseinanderzusetzen und ihre normativen Überlegungen mit Erkenntnissen über die tatsächlichen Lebensbedingungen und Erfahrungen zu verbinden.
Die Vielfalt der theoretischen Zugänge – von der Kant-Exegese über die Phänomenologie bis zur poststrukturalistischen Analyse – zeigt, dass unterschiedliche philosophische Traditionen je spezifische Einsichten zur Migrationsproblematik beitragen können. Dieser Pluralismus sollte nicht als Beliebigkeit verstanden werden, aber der Dialog zwischen verschiedenen Traditionen kann dabei helfen, blinde Flecken aufzudecken und neue Perspektiven zu eröffnen. Damit verbunden ist die Einsicht, dass keine einzelne Tradition oder Methode alle relevanten Aspekte der Migration erfassen kann, sondern dass erst die komplementäre Verschränkung verschiedener Ansätze ein angemessen komplexes Bild ermöglicht – beispielsweise die begriffliche Präzision analytischer Philosophie, die existenzielle Tiefe kontinentalphilosophischer Ansätze und die machtkritische Perspektive poststrukturalistischer Theorien sich gegenseitig ergänzen und korrigieren können. Deutlich wird auch, dass viele der grundlegenden Fragen weiterhin offen und umstritten sind – das Spannungsverhältnis zwischen universellen moralischen Ansprüchen und partikularen politischen Bindungen lässt sich nicht einfach auflösen, während die Frage, wie viel Kontrolle Staaten legitimerweise über ihre Grenzen ausüben dürfen kontrovers bleibt und die Kriterien für eine gerechte Verteilung von Verantwortung für Geflüchtete weiterhin umstritten sind. Diese fortbestehenden Kontroversen sollten jedoch nicht als Schwäche der philosophischen Reflexion verstanden werden, sondern als Ausdruck der Komplexität der Materie und der Pluralität legitimer moralischer Perspektiven, und dass die Philosophie zwar keine einfachen Lösungen für komplexe soziale Probleme bieten, aber zur Klärung der normativen Grundlagen beitragen kann, auf denen politische Entscheidungen getroffen werden. Das erweist sich auch, dass philosophische Auseinandersetzungen mit Migration immer normativ aufgeladen sind und nicht den Anschein vollständiger Objektivität erwecken sollten, sondern ihre eigenen Voraussetzungen, Wertungen und Perspektivierungen transparent machen müssen und zugleich der Anspruch bestehen bleiben muss, durch argumentative Begründung und kritische Reflexion über bloße Meinungsäußerung hinauszugehen und zu tragfähigen normativen Orientierungen zu gelangen, die sich rational rechtfertigen lassen.
Ein wichtiges Desiderat auch dieses Schwerpunkts bleibt die stärkere Einbeziehung nicht-westlicher philosophischer Traditionen und der Perspektiven aus dem Globalen Süden, denn die Dominanz westlicher, insbesondere anglophoner Ansätze in der Migrationsethik reproduziert epistemische Ungerechtigkeiten und blendet wichtige Einsichten aus. Eine wirklich globale Philosophie der Migration wird verschiedene kulturelle und intellektuelle Traditionen gleichberechtigt einbeziehen und dabei auch die Machtasymmetrien reflektieren, die einer solchen Einbeziehung im Wege stehen, wobei dies nicht nur die Übersetzung von Texten erfordert, sondern auch eine grundsätzliche Offenheit für andere Arten des Philosophierens und andere Verständnisse von Migration und Zugehörigkeit. Das verlangt auch, die koloniale Geschichte und ihre fortwirkenden Effekte auf gegenwärtige Migrationsbewegungen systematisch zu berücksichtigen, denn viele der heute als Migrationsphänomene diskutierten Bewegungen sind direkte oder indirekte Folgen kolonialer Ausbeutung, gewaltsamer Grenzziehungen und asymmetrischer Weltmarktstrukturen. Eine philosophische Auseinandersetzung mit Migration, die diese historischen und strukturellen Zusammenhänge ausblendet, läuft Gefahr, Migration als natürliches oder zufälliges Phänomen zu behandeln, anstatt es als Resultat historischer und gegenwärtiger Ungerechtigkeiten zu verstehen.
Auch die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Migrationskontrolle stellen die Philosophie der Migration vor neue Herausforderungen (Kuster/Tsianos 2021), denn biometrische Datenbanken, algorithmengestützte Risikobewertungen, automatisierte Entscheidungssysteme und digitale Überwachungstechnologien verändern fundamental die Art und Weise, wie Migration gesteuert und kontrolliert wird. Diese technologischen Entwicklungen werfen grundlegende ethische und politische Fragen auf, die philosophischer Reflexion bedürfen, die auch eine Auseinandersetzung mit technikphilosophischen und medientheoretischen Ansätzen erfordern, die in der Migrationsethik bislang kaum rezipiert wurden. Der Einsatz biometrischer Technologien – von Fingerabdruckscannern über Iris-Erkennung bis hin zu DNA-Tests – zur Identifizierung und Registrierung von Migrant:innen stellen Fragen nach Privatsphäre, Datenschutz und informationeller Selbstbestimmung, wobei die Sammlung biometrischer Daten besonders invasiv ist, da sie unveränderliche körperliche Merkmale erfasst und damit eine dauerhafte Identifizierung ermöglicht. Das kann für Menschen, die vor Verfolgung fliehen, besonders problematisch sein, zum Beispiel wenn ihre Daten in die Hände von Verfolgerstaaten gelangen, während gleichzeitig durch biometrische Systeme neue Formen der Kategorisierung und Hierarchisierung von Menschen geschaffen werden. Technologien sind dabei zumeist nicht per se gut oder schlecht, sondern ihre ethische Bewertung hängt vom Einsatzkontext und den damit verbundenen Machtstrukturen ab. Wichtig ist jedoch auch zu sehen, dass digitale Technologien oft nicht einfach neutrale Werkzeuge sind, die für gute oder schlechte Zwecke eingesetzt werden können, sondern dass sie selbst soziale Beziehungen und Machtverhältnisse strukturieren und dabei bestimmte Handlungsweisen ermöglichen, andere erschweren oder unmöglich machen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning in der Migrationskontrolle wirft zusätzliche Fragen auf (Guillén/Teodoro 2023), denn Algorithmen werden zunehmend verwendet, um sogenannte Risikoprofile von Migrant:innen zu erstellen, Asylanträge vorzusortieren oder Abschiebungsentscheidungen zu unterstützen. Diese Systeme versprechen zwar Effizienz und Objektivität, bergen aber erhebliche Risiken, weil Algorithmen bestehende Diskriminierungen verstärken können, wenn sie auf vorurteilsbehafteten Daten trainiert werden, während die Undurchsichtigkeit vieler KI-Systeme es schwierig macht, Entscheidungen nachzuvollziehen und anzufechten. Es stellt sich auch die grundsätzliche Frage, ob bestimmte Entscheidungen – wie die über Asyl – überhaupt automatisiert werden sollten oder ob sie notwendig menschliches Urteilsvermögen erfordern. Die Philosophie steht hier vor der Aufgabe, normative Kriterien für den ethischen Einsatz von KI in der Migration zu entwickeln und dabei sowohl technische als auch soziale Aspekte zu berücksichtigen (Saunders/Sager 2023). Das bedeutet auch die Notwendigkeit, die Macht- und Wissensasymmetrien zu reflektieren, die mit dem Einsatz algorithmischer Systeme einhergehen, denn während die Behörden und Technologieunternehmen über die Daten, die Algorithmen und das technische Wissen verfügen, sind die betroffenen Migrant:innen meist nicht in der Lage, die gegen sie eingesetzten Systeme zu verstehen, geschweige denn effektiv anzufechten und hier neue Formen epistemischer und prozeduraler Ungerechtigkeit entstehen, die über traditionelle Formen der Diskriminierung hinausgehen und spezifische philosophische Analysen erfordern.
Der Klimawandel schließlich stellt möglicherweise die größte langfristige Herausforderung für die Philosophie der Migration dar, denn die Prognosen über klimabedingte Migration variieren zwar stark, aber es ist unstrittig, dass Umweltveränderungen zunehmend zu Migrationsbewegungen beitragen werden. Es stellen sich fundamentale Fragen nach Verantwortung, Gerechtigkeit und Solidarität, insbesondere ob diejenigen Staaten, die historisch am meisten zu den Treibhausgasemissionen beigetragen haben, eine besondere Pflicht zur Aufnahme von sogenannten Klimaflüchtlingen haben (Ott 2020), wie sich der rechtliche und ethische Status von Menschen bestimmen lässt, die aufgrund von Umweltveränderungen migrieren müssen, und wie präventive Maßnahmen und Anpassungsstrategien mit Migrationspolitik verbunden werden können. Diese Fragen erfordern eine Verbindung von Migrationsethik, Klimaethik und Theorien globaler Gerechtigkeit, die über traditionelle Ansätze hinausgeht, während sie auch dazu zwingen, die zeitlichen Dimensionen von Verantwortung und die intergenerationalen Aspekte von Migration neu zu denken. Damit einhergehend ist die Einsicht, dass Klimamigration nicht einfach als neues, zusätzliches Problem verstanden werden kann, sondern dass sie bestehende Ungleichheiten und historische Ungerechtigkeiten verschärft und sichtbar macht, denn die Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben (Ammer 2015), sind oft am stärksten von seinen Folgen betroffen. Klimamigration ist daher eng mit Fragen kolonialer Verantwortung, globaler Ressourcengerechtigkeit und der Ausbeutung des globalen Südens durch den globalen Norden verbunden und eine Philosophie der Klimamigration, die diese strukturellen Zusammenhänge ausblendet, Gefahr läuft, Klimawandel als Naturphänomen zu naturalisieren, anstatt ihn als Resultat spezifischer ökonomischer und politischer Systeme zu verstehen, die von bestimmten Akteuren und Staaten verantwortet werden müssen (Braun/Baatz 2017).
Abschließend lässt sich festhalten, dass die philosophische Auseinandersetzung mit Migration zehn Jahre nach der sogenannten Flüchtlingskrise nichts an Relevanz verloren hat, sondern im Gegenteil angesichts fortbestehender globaler Ungleichheiten, eines fortschreitenden Klimawandels und politischer Instabilitäten davon auszugehen ist, dass Migrationsbewegungen ein prägendes Merkmal der nächsten Jahre und Jahrzehnte bleiben werden. Es scheint uns eine Aufgabe auch der akademischen Philosophie zu einem reflektierten und ethisch verantwortlichen Umgang mit dieser Wirklichkeit beizutragen, allerdings nicht durch das Vorgeben einfacher Lösungen, sondern durch die Klärung normativer Grundlagen, die Analyse begrifflicher Voraussetzungen und die kritische Reflexion politischer Praktiken. Auch die in diesem Schwerpunkt versammelten Beiträge leisten hierzu einen Beitrag und laden zur weiteren Diskussion ein, denn sie zeigen, dass philosophische Reflexion über Migration sowohl theoretisch anspruchsvoll als auch praktisch relevant sein kann. In einer Zeit, in der Migration weiterhin polarisiert diskutiert wird, ist der Beitrag der Philosophie zu einer differenzierten öffentlichen, wissenschaftlichen und politischen Debatte durchaus relevant.
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