Kritik der Biopolitik

Überlegungen zur biopolitischen Gouvernementalität in Zeiten des Coronavirus und die Möglichkeit ihrer Kritik

Autor:innen

  • Sebastian Krach Wien

Schlagworte:

Biopolitik, Widerstand, Foucault, Agamben, Esposito

Key words:

Biopolitics, Resistance, Foucault, Agamben, Esposito

Abstract

Zusammenfassung: Aktuelle Debatten zu gesellschaftspolitischen Folgen der Corona-Pandemie zeigen, dass Intellektuelle wie Giorgio Agamben und Roberto Esposito den Begriff „Biopolitik“ ins Treffen führen, um Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus zu analysieren. Seit Michel Foucaults Überlegungen zur Funktionsweise und Genealogie der Biopolitik birgt der Begriff jedoch eine gewisse Problematik: Aufgrund strukturell bedingter Mechanismen der Inklusion und Exklusion menschlichen Lebens gelingt es den biopolitischen Modellen nach Agamben und Esposito nicht – so die These –, ein zentrales Element des Politischen zu beschreiben. Unberücksichtigt bleibt die Möglichkeit des Widerstands und der Kritik an Regierungsmaßnahmen; eine Möglichkeit, die gerade die Heterogenität politischer Ordnungsstrukturen anzeigt. Im Zuge der Analytik moderner Machttechniken verschiebt Foucault anders als Agamben und Esposito den Fokus von der Biopolitik hin zu einem umfassenderen Paradigma des „Regierens“, der Gouvernementalität. Infolgedessen lässt sich die Biopolitik als Regierungsweise thematisieren, mit der immer schon Formen widerständigen Handelns einhergehen. Um dieser Perspektive Rechnung zu tragen, argumentiert mein Beitrag mit Foucault gegen die primär strukturale Auffassung (bio)politischer Ordnungen nach Agamben und Esposito.

English version

Abstract: Current debates on the socio-political consequences of the coronavirus pandemic show that intellectuals such as Giorgio Agamben or Roberto Esposito use the term “biopolitics” to analyse government measures to contain the virus. However, since Michel Foucault’s considerations on the functioning and genealogy of biopolitics, the concept has presented a specific problem: the hypothesis states that due to the structurally determined mechanisms of inclusion and exclusion that are inherent to concepts of biopolitics, these concepts are unable to fully grasp the ideas of criticism, resistance and the fracturing of political orders. Unlike Agamben and Esposito, Foucault shifts his focus gradually from analysing biopolitics to thinking about the general paradigm of “governing” people – what he calls “governmentality”. In this way, he invokes the possibility of addressing biopolitics as techniques to govern people that are potentially always subject to criticism and forms of political resistance. To take that perspective into account, my contribution argues against the mere structuralist view of Biopolitics according to Agamben and Esposito.

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Zitationsvorschlag

Krach, S. (2021). Kritik der Biopolitik: Überlegungen zur biopolitischen Gouvernementalität in Zeiten des Coronavirus und die Möglichkeit ihrer Kritik. Zeitschrift für Praktische Philosophie, 8(1). https://doi.org/10.22613/zfpp/8.1.7

Ausgabe

Rubrik

Schwerpunkt: Die Corona-Pandemie - Praktische Philosophie in Ausnahmesituationen II