Kommunale Online-Partizipation – Wer ist gefragt?

Autor:innen

  • Frank Dietrich Düsseldorf
  • Jonathan Seim Düsseldorf

Schlagworte:

Bürgerbeteiligung, Demokratie, Demos, Internet, Legitimität

Key words:

Citizen Participation, Democracy, Demos, Internet, Participation

Abstract

Zusammenfassung: Das Internet bietet die Möglichkeit, eine beliebig große Anzahl von Personen durch unterschiedliche Formen der Deliberation und Beschlussfassung politisch einzubinden. Insbesondere im kommunalen Kontext wird die Online-Partizipation – etwa im Rahmen städtischer Bürgerhaushalte – bereits vielfach als Mittel erprobt, um die soziale Akzeptanz und Legitimität politischer Entscheidungen zu erhöhen. Die Legitimität demokratischer Verfahren hängt neben anderen Faktoren maßgeblich von der Konstitution des Demos und der damit festgelegten Allokation der Teilnahmerechte ab. In historischer Perspektive hat vor allem die Exklusion bestimmter Gruppen, insbesondere von Frauen, Besitzlosen oder nichtweißen Personen, die Legitimität klassischer Offline-Verfahren, wie z. B. Parlamentswahlen, in Frage gestellt. Die neuen Formen der Online-Partizipation bergen hingegen – so die zentrale These des Aufsatzes – die Gefahr der Über-Inklusivität, weil sie häufig auf jegliche Zugangsbeschränkung verzichten. Selbst wenn die Verfahren, wie in der Praxis üblich, einen konsultativen Charakter haben und die politischen Entscheidungsträger formal nicht binden, führt ihre Offenheit zu Legitimationsproblemen. Daraus entsteht die Notwendigkeit, normative Kriterien für die Vergabe von Partizipationsrechten zu entwickeln, die den Besonderheiten der Online-Deliberation angemessen Rechnung tragen.

English version

Abstract: The Internet allows for the involvement of any number of people in various forms of political deliberation and decision-making. Especially in the municipal context, online participation, for example participatory budgeting, is often implemented as a means of increasing the social acceptance of political decisions. The legitimacy of democratic procedures importantly depends, among other factors, on the constitution of the demos and the concomitant allocation of participation rights. Historically, the exclusion of certain groups, in particular women, the dispossessed or people of color, has called into question the legitimacy of classic offline procedures, such as parliamentary elections. However, new forms of online participation introduce – according to the central thesis of this essay – the risk of over-inclusiveness, because they often dispense with any kind of access restriction. Although, the procedures typically are consultative in nature and do not formally bind the political decision-makers, their unrestricted accessibility poses problems of legitimacy. Consequently, there is a need to develop normative criteria for the allocation of participation rights, which take the specifics of municipal online participation into account.

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Zitationsvorschlag

Dietrich, F., & Seim, J. . (2021). Kommunale Online-Partizipation – Wer ist gefragt?. Zeitschrift für Praktische Philosophie, 8(1). https://doi.org/10.22613/zfpp/8.1.12

Ausgabe

Rubrik

Schwerpunkt: Philosophie der Stadt