Verschwörungserzählungen im Kontext der Wissenschaftsleugnung

Merkmale und Kritikverfahren aus wissenschaftstheoretischer Warte

Autor:innen

  • Thomas Heichele

Schlagworte:

Verschwörungserzählungen, Verschwörungstheorien, Wissenschaftsleugnung, Wissenschaftstheorie, Pseudowissenschaft

Key words:

conspiracy narratives, conspiracy theories, science denial, philosophy of science, pseudoscience

Abstract

Der Aufsatz untersucht aus wissenschaftstheoretischer Warte Verschwörungserzählungen im Kontext der Wissenschaftsleugnung und stellt sowohl diesbezügliche Merkmale als auch angemessene Kritikverfahren heraus. Zu diesem Zweck werden zu Beginn die jeweiligen Charakteristika von Wissenschaft und Pseudowissenschaft herausgearbeitet. Daran anschließend wird Wissenschaftsleugnung als eine spezifische Form der Pseudowissenschaft vorgestellt, bei der es sich losgelöst von den Kriterien legitimer Kritik um ein Bestreiten wissenschaftlichen Wissens handelt. In diesem Zusammenhang werden sieben Strategien der Wissenschaftsleugnung erläutert und mit den rational begründeten Methoden zur Erlangung wissenschaftlicher Überzeugungen kontrastiert. Als eine der sieben Taktiken werden Verschwörungserzählungen im nächsten Schritt einer gesonderten Analyse unterzogen. Hierbei findet eine Explikation der in diesem Zusammenhang relevanten Begriffe „Verschwörung“, „Verschwörungserzählung“ und „Verschwörungstheorie“ statt, die sich als operationalisierbar für Anwendungen mit Blick auf Verfahren der Wissenschaftsleugnung erweist. Im Anschluss daran werden zehn Begründungsstrategien unplausibler Verschwörungserzählungen erarbeitet und mit den Methoden der Wissenschaftsleugnung in Verbindung gesetzt. Den Schluss bildet ein Anriss praktischer Herausforderungen, die eine interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern, wobei noch einmal die besondere Rolle der Philosophie bei der Bewältigung der Gefahren einer Kultur des Postfaktischen betont wird.

English version

The paper examines conspiracy narratives in the context of science denial from the perspective of philosophy of science and highlights, on the one hand, relevant characteristics and, on the other hand, appropriate methods of criticism. For this purpose, the characteristics of science and pseudoscience are elaborated at the beginning. Following this, science denial is identified as a specific form of pseudoscience, which is a rejection of scientific knowledge independent of the criteria of legitimate criticism. In this context, seven strategies of science denial are explained and contrasted with rationally justified methods of obtaining scientific beliefs. Next, as one of the strategies, conspiracy narratives are examined separately. This involves an explication of the terms “conspiracy,” “conspiracy narrative,” and “conspiracy theory” which are significant in this discussion and important for investigations of science denial. This is followed by an illustration of ten justification strategies of implausible conspiracy narratives and their connection to the methods of science denial. The paper concludes with an outline of practical challenges that require interdisciplinary collaboration, emphasizing the specific role of philosophy in managing the dangers of a culture of post-truth.

Downloads

Zitationsvorschlag

Heichele, T. . (2023). Verschwörungserzählungen im Kontext der Wissenschaftsleugnung: Merkmale und Kritikverfahren aus wissenschaftstheoretischer Warte. Zeitschrift für Praktische Philosophie, 9(2), 113–142. https://doi.org/10.22613/zfpp/9.2.5 (Original work published 4. März 2023)

Ausgabe

Rubrik

Schwerpunkt: Verschwörungserzählungen