Wieviel darf Klima-Aktivismus verlangen?

Ziviler Ungehorsam, Sabotage, und moralische Überforderung im Kampf gegen die Klimakrise

Autor:innen

  • Anh Quan Nguyen University of Edinburgh

Schlagwörter:

Klima-Krise, Ziviler Ungehorsam, Gewalt, Moralische Überforderung, Integrität

Key words:

Climate Crisis, Civil Disobedience, Violence, Moral Demandingness, Integrity

Abstract

Angesichts einer sich immer weiter verschärfenden Klimakrise, die von Regierungen weiter vernachlässigt wird, sieht sich die Klimabewegung großen Herausforderungen gegenüber. Viele Klima-Aktivist:innen sehen es als ihre moralische Pflicht an, mit zivilen Ungehorsam die Klimakrise aufzuhalten, während manche Aktivist:innen und Philosoph:innen vorschlagen, dass von zivilen Ungehorsam als Hauptmethode der Bewegung abgerückt werden, und Gewalt als Methode eingeschlossen werden muss. (Malm 2021, Arridge 2023).  Dieser Artikel untersucht diese Debatte auf eine neue Weise:  Wieviel darf Klima-Aktivismus verlangen? Welche Aktionsformen sind besonders moralisch belastend für Individuen und Gruppen? Und ab wann ist Klima-Aktivismus moralisch überfordernd?  Anhand klassischer Debatten zu moralischer Überforderung zeige ich, dass ziviler Ungehorsam, wie sie von Klimagruppen wir Extinction Rebellion und Letzte Generation praktiziert werden, sowohl psychisch und physisch überfordernd (Hooker 2009) als auch integritätsverletzend und selbstentfremdend (Williams 1973, Railton 1984) wirken sowie unfairerweise überfordernd (Murphy 2003) sein kann. Allerdings zeige ich auch, dass ähnliche moralische Überforderungen bei einer Pflicht zur Eskalation, die Gewalt als Methode beinhaltet, auftreten kann, und angesichts einer mehrheitlich pazifistisch gesinnten Klima-Aktivist:innen die Identität der Klimabewegung korrumpieren kann.

English version

In the face of a worsening climate crisis that continues to be neglected by governments, the climate movement faces major challenges. Many climate activists see civil disobedience as their moral duty to stop the climate crisis, while some activists and philosophers suggest that civil disobedience must be abandoned, and that violence must be included as a method (Malm 2021, Arridge 2023). This article explores this debate in a new way: How much can climate activism demand? Which forms of action are particularly morally demanding for individuals and groups? And at what point is climate activism morally overdemanding? Drawing on classic debates about moral overdemandingness, I show that civil disobedience, as practiced by climate groups such as Extinction Rebellion and Just Stop Oil, can be both psychologically and physically overdemanding (Hooker 2009), integrity-violating and self-alienating (Williams 1973, Railton 1984), as well as unfair (Murphy 2003). However, I also show that moral overdemandingness can also occur within a duty to escalate the climate movement’s methods in a way that includes violence, which, given that most climate activists are pacifists, can corrupt the identity of the climate movement.

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Zitationsvorschlag

Wieviel darf Klima-Aktivismus verlangen? Ziviler Ungehorsam, Sabotage, und moralische Überforderung im Kampf gegen die Klimakrise. (2026). Zeitschrift für Praktische Philosophie, 12(2). https://doi.org/10.22613/