Andere Anfänge

Heidegger und die Condition (Post-)Moderne

Autor:innen

Schlagwörter:

Postmoderne , Heidegger, Antisemitismus, kritische Theorie, Agamben

Key words:

Agamben, Antisemitism, Heidegger, Postmodernity, Critical Theory

Abstract

Im Folgenden werden Heideggers Denken und die postmoderne Philosophie in ein Verhältnis gesetzt, um ihre gemeinsamen Voraussetzungen zu beleuchten. So weist das postmoderne Denken in seinen unterschiedlichen Ausformungen ein Problembewusstsein auf, das sich maßgeblich aus den Krisenerfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts speist und auf das bereits Heideggers philosophisches Projekt einflussreich reagiert: Das Bewusstsein, dass jedes modern-aufklärerische oder, wie Heidegger es nennt, metaphysische Denken irreduzibel beschädigt ist und notwendig an der Verfestigung des Status quo, seiner potenziellen Wiederholung und Verewigung laboriert. Ein Entkommen aus dieser von der Moderne hinterlassenen Konstellation sucht das postmoderne Denken gerade durch die mal direkte, mal indirekte Anknüpfung an Heidegger. Dass dieser im postmodernen Denken eine Wiederentdeckung erfährt, lässt sich nicht nur durch die Nähe zwischen den Begriffen der Dekonstruktion und Destruktion vermuten, es entspricht auch der rezeptionsgeschichtlichen Realität. Wenn jedoch im Zentrum dieses Projekts bei Heidegger der Antisemitismus steht, und zwar, so ließe sich ergänzen, als „Schicksalsfrage der Menschheit“ (Adorno/Horkheimer), so muss gefragt werden, ob diese Erbschaft vom postmodernen Denken ausgeschlagen wurde, ob sie überhaupt ausgeschlagen werden konnte, oder ob dieses Erbe – wenn auch als vermeintlich dekonstruiertes – ‚fortwest’

English version

In what follows, Heidegger’s thought and postmodern philosophy are placed in relation to one another in order to shed light on their shared premises. Thus, postmodern thought, in its various forms, exhibits an awareness of problems that draws significantly on the experiences of crisis during the first half of the 20th century—an awareness to which Heidegger’s philosophical project had already responded in a significant way: The recognition that all modern Enlightenment thought—or, as Heidegger calls it, metaphysical thought—is irreparably flawed and inevitably contributes to the consolidation of the status quo, its potential repetition, and its perpetuation. Postmodern thought seeks to escape this constellation left behind by modernity precisely through its connection to Heidegger—sometimes direct, sometimes indirect. The fact that Heidegger is being revived in postmodern thought can be inferred not only from the proximity between the concepts of deconstruction and ‚Destruktion‘, but also corresponds to the reality of the history of his reception. However, if anti-Semitism stands at the center of this project in Heidegger’s work, and, one might add, as the “question of humanity’s fate”
(Adorno/Horkheimer, then one must ask whether this legacy has been rejected by postmodern thought, whether it could be rejected at all, or whether this legacy – albeit as a supposedly deconstructed one –continues to live on.

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Rubrik

Schwerpunkt: Philosophie und Antisemitismus
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Zitationsvorschlag

Klein, Tobias, and Jan Rickermann. 2026. “Andere Anfänge: Heidegger Und Die Condition (Post-)Moderne”. Zeitschrift für Praktische Philosophie 13 (1). https://doi.org/10.22613/zfpp/13.1.7.

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