Schwerpunkt „Technik und Tiere“ in der Zeitschrift für Praktische Philosophie (ZfPP)
Schwerpunkt „Technik und Tiere“ in der Zeitschrift für Praktische Philosophie (ZfPP)
Herausgeberinnen: Birgit Beck (TU Berlin), Leonie Bossert (Tübingen), Susanne Hiekel (Münster)
Einreichungsfrist für die Beiträge ist der 31.03.2027
In bestehenden wissenschaftlichen Überlegungen, die sich mit dem Thema ‚Technik‘ auseinandersetzen, ist es eher ungewöhnlich, dass nicht-menschliche Tiere adressiert werden. Das ist überaus verwunderlich, spielen doch Tiere im Kontext verschiedenster Technologien eine nicht unwesentliche Rolle. Sie sind sowohl direkt als auch indirekt von Technikentwicklungen, Technikanwendungen und von den Realitäten, die Technologien (mit)erschaffen, betroffen. Beispielsweise können nicht-menschliche Tiere selbst Gegenstand technischen Handelns werden, werden sie doch mithilfe von Technik vielfach verändert und manipuliert. Indirekt dienen sie häufig als Modelle technischen Handelns. Sie werden instrumentell in verschiedenen technischen Settings (z.B. in der Medizin, in der Landwirtschaft, im Umweltschutz etc.) für unterschiedlichste Zwecke genutzt und sind damit grundlegender Bestandteil des Technischen. Disruptive Technik, der in unserem Alltag und in gesellschaftlichen Praktiken eine bedeutende Rolle zukommt, hat zudem das Potenzial, die (Wahrnehmung der) Realität zu beeinflussen und kann dadurch auch unsere Perspektive auf Tiere prägen.
Tiere finden sich beispielsweise als individuelle Analyseobjekte neuester Technologien wieder. So können mithilfe auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierender Wearables messbare Faktoren des Gesundheitszustands individueller Heimtiere wie Hunde oder Katzen permanent gemessen und an Smartphones weitergeleitet werden. Technologien, die Klimainterventionen zugrunde liegen, können wildlebende Tiere im globalen Maßstab positiv oder negativ beeinträchtigen. Unter dem weiten Begriff KI finden sich zahlreiche verschiedene Technikanwendungen, die direkten Einfluss auf Tiere haben können – von autonom fahrenden Autos, einer weiteren Automatisierung der Tierhaltung in verschiedenen Bereichen über Chatbots, die Bias gegenüber Tieren verstärken, bis hin zum Versuch, Tierkommunikation besser zu entschlüsseln oder Tierversuche durch KI reduzieren zu können. Technologien setzen aber auch sowohl intern als auch extern direkt am tierlichen Körper an – intern beispielsweise mithilfe der genetischen Editierung von Tieren, zur sogenannten Wiederbelebung der Individuen ausgestorbener Arten oder extern zum Beispiel über Melkroboter. Indirekte Auswirkungen ergeben sich zum Beispiel durch KI-basierte Empfehlungs-Systeme, die bei Anfragen nach z.B. Rezepten, Unterhaltung oder Kleidung oftmals eine Sicht auf Tiere als nutzbare Ressourcen perpetuieren und damit die gesamtgesellschaftliche Mensch-Tier-Beziehung prägen. Ebenso kann die Erforschung und gegebenenfalls Anwendung von Klimainterventions-Technologien die angebliche Rolle vom Menschen als ‚Manager‘ der gesamten Biosphäre untermauern, wodurch Mensch-Tier-Beziehungen beeinflusst werden. Unabhängig davon, wie man diese Rolle des Menschen bewertet, stellt sich die Frage, ob hinter dem Management eine Fürsorgebeziehung oder eine Beziehungsasymmetrie steckt. Wie hierbei schon deutlich wird, gehen all die genannten Beispiele mit zahlreichen technikphilosophischen, ethischen und zum Teil auch wissenschaftstheoretischen und erkenntnistheoretischen Fragestellungen und Herausforderungen einher.
Dass diese bisweilen im wissenschaftlichen Diskurs zu wenig adressiert werden, stellt eine eklatante Forschungslücke sowohl in der Tier- und Technikethik und -philosophie als auch in verwandten Disziplinen dar.
Wir wollen dem Manko, dass die Rolle nicht-menschlicher Tiere im Bereich von Technikentwicklung, Technikanwendung und Mensch-Tier-Technik-Beziehungen so selten im Zentrum der Diskussion steht, entgegenwirken. Zudem gehen wir davon aus, dass sich Fragestellungen, Konzepte und Theorien der Technik- und Tierethik und -philosophie stark überlappen und die bisweilen eher getrennte Diskussion der beiden Bereiche daher für eine umfassende Auseinandersetzung mit den Themen nicht zielführend ist. Zudem denken wir, dass der Einbezug anderer wissenschaftlicher Disziplinen wie zum Beispiel der Technikgeschichte, der tierexperimentellen Forschung oder der allgemeinen Tierbiologie hilfreich sein kann, um einen empirisch-historisch informierten philosophischen Überblick über das Themenfeld ‚Technik und Tiere‘ geben zu können. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, Fragestellungen im Tier- und im Technikkontext als stärker miteinander verwoben anzusehen.
Vor diesem Hintergrund laden wir dazu ein, Beiträge bei der Zeitschrift für Praktische Philosophie (ZfPP) einzureichen, um dem Thema „Technik und Tiere“ einen Schwerpunkt zu widmen. Diese können der Perspektive unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen entstammen. So soll beispielsweise aus wissenschafts- bzw. technikhistorischer, wissenschaftstheoretischer, technikphilosophischer oder tierethischer Perspektive dem Gedanken nachgegangen werden, wie Tiere in der Technik bzw. als (Bestandteil) technische(r) Artefakte oder wissenschaftliche Modelle gesehen werden, wie sie gesehen werden sollten, wie der Umgang mit ihnen gestaltet sein sollte und wie sich verschiedene Techniken auf Mensch-Tier-Beziehung auswirken bzw. welche Mensch-Tier-Technik-Beziehungen wünschenswert sind. Wir laden ein, solche und ähnliche Fragestellungen in dem Themenschwerpunkt der ZfPP „Technik und Tiere“ zu adressieren, entweder am Beispiel konkreter Technologien oder auch auf einer abstrakten Ebene.
Die Einreichungsfrist für die Beiträge ist der 31.03.2027. Alle eingereichten Beiträge durchlaufen die übliche Doppel-Blind-Begutachtung. Die Einreichung erfolgt über die Webseite der ZfPP. Dort finden Sie auch die Informationen zu Umfang und Gestaltung des Manuskripts.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an eine der Herausgeberinnen des geplanten Schwerpunkts: Birgit Beck (birgit.beck@tu-berlin.de), Leonie Bossert (leonie.bossert@uni-tuebingen.de ), Susanne Hiekel (shiekel@uni-muenster.de).